Vorsicht Technik

Beginnt man zu klimaneutralen Schiffen zu recherchieren, so stellt man fest, dass es in den letzten zehn Jahren zunehmend Projekte gibt, die die maritime Welt von den fossilen Brennstoffen befreien möchten. Der Wind feiert Renaissance. Mehrmastige Schoner oder Brigantine, moderne Segelschiffe, ausgestattet mit der neuesten Technik, setzen ein Zeichen, dass Fracht auch ohne Emissionen transportiert werden kann. Alte Schiffe und neue Schiffe nach altem Vorbild finden sich als luxuriöse Segelkreuzfahrtschiffe auf den Meeren wieder. Doch der Wind bleibt ein etwas unzuverlässiger Antrieb.

Wie gelingt es also, klimaneutral und verlässlich nach Fahrplan an seinem Ziel jenseits des Ozeans ohne Verbrennungsmotor anzukommen? Brennstoffzellen kristallisieren sich mehr und mehr als eine Lösung heraus. Sie transformieren Wasserstoff in elektrischen Strom. Dieser treibt dann Elektromotoren an und stellt die Energie für den Hotelbetrieb bereit. Doch zeigt sich, dass es dazu auf der langen Strecke noch keine Erprobungserfahrungen gibt. Vieles ist noch in der Entwicklung.

Save Planet Liners vertraut der Technologie und ist überzeugt, dass in den nächsten Jahren große Fortschritte hinsichtlich der Effizienz der Brennstoffzellen gemacht werden.

Als Energieträger scheint Wasserstoff zunächst die beste Lösung. Wasserstoff kann direkt in der Brennstoffzelle transformiert werden, macht null Emissionen und ist grün herstellbar. Flüssiger Wasserstoff benötigt jedoch das 4,8-fache Volumen von Diesel für die gleiche Energie und verflüssigt sich erst bei -253°C. Das große Volumen sowie der hohe Energieverbrauch für die Kühlung sprechen gegen die kommerzielle Anwendung in der Personenschifffahrt auf langer Strecke.

Nach der Analyse mehrerer alternativer Energieträger fiel die Entscheidung auf grünes Methanol. Methanol ist flüssig und kann wie Benzin oder Diesel in Tanks aufbewahrt werden. Es braucht, um die gleiche Energie zu speichern, nur das 2,4-fache Volumen von Diesel. Darüber hinaus ist es biologisch abbaubar. Nachteil: Methanol ist giftig und sehr brennbar.

In Stade wird gerade ein Werk zur Produktion von grünem Methanol gebaut, das jährlich 200.000 t grünes Methanol produziert. In ganz Europa werden Produktionsstätten errichtet. Auch an der Ostküste der USA entstehen derzeit Werke für die Herstellung von grünem Methanol.

Save Planet Liners will aber auch nicht auf den Wind verzichten. Wir haben uns für Oceanwings von der französischen Firma Ayro entschieden. Das Boot USA17 gewann 2010 mit den Oceanwings den America’s Cup. Boot und Wings wurden damals von den Schiffsarchitekten VPLP designt und später weiterentwickelt und als voll automatisiertes Produkt industralisiert. Die Oceanwings sind vertikal stehende Flügel, die bei zu großem Wind gerefft werden können. Sie erzeugen im Vergleich mit traditionellen Segeln der gleichen Fläche in etwa die doppelte Leistung. Außerdem erlauben sie einen um vieles höher am Wind verlaufenden Kurs. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 12 knt, unter Berücksichtigung des Jahreswetters am Nordatlantik, beträgt für unser Schiff die Energieeinsparung dank Oceanwings auf einer Reise von Hamburg nach New York 40%.

Design, Äesthetik und Wohlfühlen

Einen wesentlichen Anteil am Wohlbefinden der Passagiere haben das Design und die Ästhetik des Interieurs und der Aufenthaltsbereiche im Außenraum der Schiffe. Gutes Design ist langlebig, man sieht sich an der Gestaltung der Räume nicht satt. Diese Eigenschaft ist gemeinsam mit den verbauten Materialien bestimmend dafür, ob das Design auch nachhaltig ist. Muss das Interieur des Schiffs alle zehn Jahre erneuert werden, weil es nicht mehr dem aktuellen Zeitgeist entspricht, ist der damit verbundene Ressourcenverbrauch immens.

Design findet immer in Geschichte statt. Der Unterschied liegt darin, ob vom Designer nur oberflächlich ästhetische Strömungen aufgegriffen werden oder eine intensivere Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, technischen und kulturellen Entwicklungen stattfindet und auf dieser Grundlage eine sich davon ableitende Formensprache entwickelt wird. Ein auf diese Weise entstandenes Design kann einer geschichtlichen Epoche zugeordnet werden, behält aber unauslöschlich seinen künstlerischen und ästhetischen Wert.

Wohlbefinden benötigt jedoch auch Heterogenität. Ein Raum, in dem alles wie aus einem Guss erscheint, wirkt interessant, hat vielleicht einen hohen ästhetischen Wert, doch fühlen wir uns in diesen Räumen meist nicht wohl. Um uns wohlzufühlen, brauchen wir ein gewisses Maß an Individualität einzelner Gegenstände, die im Kontrast zur Gleichförmigkeit und Ordnung des durchgestalteten Raums stehen. Heterogenität bezieht sich auch auf die Textur der Oberflächen und das Alter der einzelnen Gegenstände.

In Japan entwickelte sich im späten 16. Jahrhundert als Gegenentwurf zur chinesischen Perfektion und Pracht eine neue Ästhetik der „wabi-sabi“-Eigenschaften (Einfachheit, Natürlichkeit und Akzeptanz der Wirklichkeit). Der Tee-Meister Rikyu verhalf dieser Ästhetik in der Tee-Kunst zum Durchbruch, indem er die grobgeformte, von anonymen einheimischen Handwerkern geschaffene Volkskunst Japans und Koreas […] auf die gleiche künstlerische Stufe wie die glatten, perfekten chinesischen Kostbarkeiten“ stellte (Koren, L.: Wabi-sabi für Künstler, Architekten und Designer, Japans Philosophie der Bescheidenheit; Wasmuth, Tübingen, 3. Aufl. 1997).

Technische Perfektion, von Menschen hergestellte Materialien und geometrische Formgestaltungen, wie sie in der Moderne Einzug in unseren Alltag gefunden haben, muten häufig kühl an. Inspiriert vom japanischen wabi-sabi sollen Einfachheit, natürliche oder in anderer Form wieder verwendete Materialien sowie gestalterische Heterogenität den Passagieren an Bord Geborgenheit vermitteln und zu ihrem Wohlbefinden beitragen. Diesem Ziel fühlt sich Save Planet Liners verpflichtet. Viel mehr noch werden wir unsere Passagiere dazu ermutigen, einen von ihnen geliebten kleinen Gegenstand auf das Schiff mitzubringen und in ihrer Kabine aufzustellen, damit sie sich während des Aufenthalts bei uns zuhause fühlen.

Forschung

Die Herausforderung für den Energiehaushalt sind die lange Strecke und der Hotelbetrieb. Dazu kommt das Ziel von Save Planet Liners, so wenig Ressourcen wie möglich zu verbrauchen und so wenig als möglich das Ökosystem Meer zu beeinflussen. In einem vom BMWK geförderten Forschungsprojekt sollen drei Ziele verfolgt werden:

I. Entwicklung einer Energiemanagementplattform, die sowohl alle Energieerzeuger als auch Verbrauchergruppen und Energiespeicher mittels Künstlicher Intelligenz (KI) steuert.

II. Entwicklung eines Wetterroutings mit dessen Hilfe für die Schiffe von Save Planet Liners, die Route berechnet wird, die am wenigsten durch grünes Methanol gewonnene Energie konsumiert, und gleichzeitig am meisten erneuerbare Energie gewonnen wird.

III. Die Durchführung eines digitalen Tests mittels eines Modells mit digitalen Zwillingen in unterschiedlichen Szenarien, mit denen die erwartete Leistungsfähigkeit des Wetterroutings und der Energiemanagementplattform überprüft werden soll.

Das geplante Forschungsprojekt hat drei Meilensteine: MS.04.01 Zusage der Förderung des Forschungsprojekts, MS.04.02 Entscheidung über den Energieträger und das Speichermedium und MS.04.03 Abschluss des Forschungsprojekts.